Eye-Tracking verstehen und gezielt nutzen: Definitionen, Kennzahlen und Anwendungen
Eye-Tracking ist eine Schlüsseltechnologie, um menschliches Verhalten und die zugrunde liegenden Denkprozesse zu verstehen. Ihre Anwendungen in Forschung und Wirtschaft sind nahezu grenzenlos.
Eye- und Gaze-Tracking liefern wertvolle Erkenntnisse und eröffnen viele Möglichkeiten. Um die Komplexität aufzuschlüsseln, gehen wir den grundlegenden Fragen nach: Was ist Eye-Tracking, wie funktioniert es und wofür wird es eingesetzt?
Was ist Eye-Tracking?
Eye-Tracking ermöglicht die Messung von Augenbewegungen, Augenpositionen und Blickpunkten mithilfe verschiedener technischer Verfahren. Mit anderen Worten: Eye-Tracking erkennt und verfolgt die visuelle Aufmerksamkeit einer Person, also wohin, worauf und wie lange sie blickt.
Eye-Tracking wird häufig in diesen Zusammenhängen genannt:
- Messung von Blinzelmustern
- Erkennen, was eine Person ignoriert oder nicht ansieht
- Bewertung der Pupillenreaktion auf visuelle oder emotionale Reize
- Unterstützung der Mensch-Computer-Interaktion und des maschinellen Lernens.
Grundlagen von Eye-Tracking und Gaze-Tracking
Die Grundidee, auf der Eye-Tracking beruht:
Menschen kommunizieren über Blickkontakt. Geben wir genau diese Fähigkeit an Computer weiter, können sie menschenähnlicher funktionieren. Jetzt twittern
Dazu haben Psychologen Physiologie und Anatomie des Auges sowie die kognitiven Vorgänge des visuellen Systems eingehend untersucht.
Anatomische Aspekte
Das Gehirn verarbeitet Bilder über lichtempfindliche Zellen in der Netzhaut. Diese Stäbchen und Zapfen erfassen das Licht, das durch die Pupille einfällt, und senden die visuellen Daten an das Gehirn.
Obwohl die Netzhaut weit weniger Zapfen als Stäbchen enthält, ermöglichen erst die Zapfen das Sehen in hoher Auflösung und Farbe.

Quelle: Blausen.com staff (2014). „Medical gallery of Blausen Medical 2014“. WikiJournal of Medicine 1 (2). DOI:10.15347/wjm/2014.010. ISSN 2002-4436.
Die Zapfen sitzen in der Fovea, dem Zentrum des Gesichtsfelds. Die Fovea ist der Bereich mit der höchsten Sehschärfe im Auge, aber sie ist auffallend klein. Außerhalb des fovealen Sehens liegt der periphere Bereich, in dem die Schärfe deutlich abnimmt.
Um interessante visuelle Details zu verarbeiten, muss sich das Auge deshalb bewegen.
Genau dieser Kompromiss aus hochauflösendem zentralem und niedrig auflösendem peripherem Sehen macht Eye-Tracking überhaupt erst möglich.
Augenbewegungen
Das Auge führt eine Reihe von Bewegungen aus, etwa Vergenz- oder Torsionsbewegungen. Die wichtigsten, die beim Eye-Tracking gemessen werden, sind jedoch Fixationen, Sakkaden und glatte Augenfolgebewegungen.
Fixationen entstehen, wenn das Auge innehält, um visuelle Daten aufzunehmen. Ihre Dauer ist sehr unterschiedlich, doch je länger eine Fixation dauert, desto mehr visuelle Information wird verarbeitet.
Sakkaden sind schnelle „Sprünge“ des Auges zwischen Fixationen in einer statischen Umgebung. Das Auge wechselt von einem Objekt zum nächsten, um neue visuelle Daten in hoher Auflösung aufzunehmen.
Wegen der enormen Geschwindigkeit von Sakkaden ist das Sehen währenddessen unterdrückt. Für das Gaze-Tracking sind sie daher weniger wichtig als Fixationen. Sie verraten aber einiges über den Verlauf der Fixationen und die visuelle Aufmerksamkeit.
Glatte Augenfolgebewegungen (Smooth Pursuit) entstehen, wenn das Auge ein bewegtes Objekt ansieht und ihm folgt. Da dabei visuelle Information aufgenommen wird, ist diese Bewegung für das Eye-Tracking relevant.
Pupillengröße
Videobasiertes Gaze-Tracking ermöglicht zudem die Messung und Analyse der Pupillengröße. Für genaue Pupillendaten muss die Umgebung streng kontrolliert werden.
Unter geeigneten Testbedingungen lässt sich eine Pupillenerweiterung beobachten und verfolgen, ausgelöst durch:
- Starke emotionale Reize
- Hohe Aufmerksamkeit
- Beleuchtung
- Belastung des Arbeitsgedächtnisses
Visuelle Aufmerksamkeit
Vor allem aber ermöglicht Eye-Tracking die Untersuchung der visuellen Aufmerksamkeit.
Da die Ressourcen für die Bildverarbeitung begrenzt sind, wählt das Gehirn relevante visuelle Informationen gezielt aus, abhängig von:
- Interesse: der bewussten oder unbewussten Entscheidung, ein Objekt anzusehen
- Umgebung: Elementen, die über das periphere Sehen wahrgenommen werden
In der Wissenschaft führt die Untersuchung der visuellen Aufmerksamkeit zu einem besseren Verständnis von Aufmerksamkeitsmechanismen im Allgemeinen. Sie zeigt, welche kognitiven Prozesse bei der Ausführung einer bestimmten Aufgabe ablaufen.
Aus demselben Grund sind Eye-Tracking und Aufmerksamkeitsanalysen auch für Unternehmen wertvoll.
Wird Eye-Tracking für qualitative oder quantitative Forschung genutzt?
Eye-Tracking wird sowohl in der qualitativen als auch in der quantitativen Forschung eingesetzt.
| Qualitative Forschung |
Quantitative Forschung |
| ✓ Interpretation von Verhalten | ✓ Abhängige Variable |
| ✓ Benutzerfreundlichkeit (UX/UI) | ✓ A/B-Tests |
| ✓ Retrospektive Interviews | ✓ Messung von Reizen |
Herkömmliches Eye-Tracking vs. 3D-Eye-Tracking
Herkömmliches Eye-Tracking stößt an eine Reihe von Grenzen. 3D-Eye-Tracking für Tiefensensoren löst diese Herausforderungen mit folgenden Eigenschaften:
- Großer Erfassungsbereich
- Tracking mehrerer Personen
- 3D-Blicklinie
- Keine Kalibrierung
- Reine Software (wenn das Eye-Tracking-Gerät eine 3D-Kamera integriert)
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels ist Eyeware eines der wenigen Unternehmen, die öffentlich eine kommerzielle Eye-Tracking-Lösung für 3D-Kameras anbieten.
Die Software für 3D-Gaze-Coding in Echtzeit GazeSense von Eyeware liefert ganz einfach quantitative und qualitative Eye-Tracking-Daten. Erfahren Sie hier, wie sie Ihr Unternehmen, Ihre Industrieprojekte oder Ihre Forschung unterstützt: gazesense.com.
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Wie funktioniert Eye-Tracking?
Eye-Tracking verfolgt Position und Bewegungen der Augen berührungslos. Eine Quelle für unsichtbares Nahinfrarot- oder Infrarotlicht beleuchtet die Pupille, wodurch auf der Hornhaut eine Reflexion entsteht. Eine Infrarotkamera zeichnet diese Reflexion auf, bestimmt den Mittelpunkt der Pupille, leitet daraus die Augenrotation ab und ermittelt die Blickrichtung.
Pupil Center Corneal Reflection (PCCR) ist der Fachbegriff für die wichtigste Methode des Eye-Trackings, bei der Pupille und Hornhautreflexionen optisch erfasst werden.
Augenposition, Blickpunkt und Augenbewegungen werden mit fortschrittlichen mathematischen Algorithmen berechnet.
Anschließend werden die aufgezeichneten Informationen zu Rohdaten, die eine Eye-Tracking-Software weiterverarbeitet.
Wie Eye-Tracker mit Kalibrierung arbeiten
Für präzises und genaues Eye-Tracking muss berücksichtigt werden, dass optische und visuelle Achse nicht übereinstimmen. Die optische Achse lässt sich sichtbar messen, die Lage der Fovea weicht jedoch um einige Grad ab.

Quelle: Dorland’s Medical Dictionary for Health Consumers. (2007).
Das erfordert eine Korrektur (Kalibrierung), damit Pupillenposition und Blick übereinstimmen.
Vor Beginn eines Experiments kalibriert sich das System, indem es die Pupillenpositionen für einen oder mehrere vorgegebene Punkte erfasst.
Daten
Nach der Berechnung eines Blickpunkts liegen die Rohdaten als XY-Koordinate vor. Sie zeigt, wohin ein Teilnehmer auf dem Bildschirm blickt. Das Gaze-Tracking gibt die Koordinaten dann entsprechend seiner Bildrate aus.
Für Eye-Tracking und Datenverarbeitung kommen meist Software-Tools zum Einsatz, vor allem um Fixationen und Sakkaden zu erkennen. Fixationen werden oft als Punkte dargestellt, deren Größe der Dauer entspricht. Sakkaden sind die Linien, die diese Punkte verbinden.
Diese Schritte helfen, die Rohdaten vor der Visualisierung zu bereinigen:
- Rauschen reduzieren
- Präzision verbessern
- Einen Algorithmus zur Klassifizierung von Augenbewegungen anwenden
Kennzahlen & Visualisierungen für die Analyse von Eye-Tracking-Daten
Von statischen bis zu animierten Darstellungen nutzen Eye- und Gaze-Tracking eine Vielzahl von Kennzahlen und Visualisierungen, um die erhobenen Daten auszuwerten.
Fixationen
Zusammen mit Sakkaden bilden Fixationen einen Scanpfad (Scanpath), also den Weg, dem die Augen einer Person folgen. Außerdem lassen sich mit Eye-Tracking messen:
- Zeit bis zur ersten Fixation (TTFF): die Zeit zwischen dem Erscheinen eines Reizes und der Fixation innerhalb eines Interessenbereichs (AOI). Sie gibt Aufschluss über die visuelle Aufmerksamkeit.
- Dauer der ersten Fixation: Gesamtdauer der ersten Fixation
- Anzahl der Fixationen: wie viele Fixationen innerhalb einer AOI stattfanden
- Durchschnittliche Fixationsdauer: Je höher sie ist, desto attraktiver ist eine AOI für die Testperson
- Fixationsfolgen: bestehend aus Ort und Zeitpunkt der Fixationen
Blickpunkte & Gaze Plots
Ein Blickpunkt zeigt, wohin eine Testperson schaut, ein Gaze Plot visualisiert den Scanpfad. Gaze Plots stellen die zeitliche Abfolge von Fixationen und Sakkaden dar.
Aggregierte Gaze Plots werten die Scanpfade mehrerer Testpersonen aus, um Verhaltensmuster zu erkennen.
Interessenbereiche (AOI)
Um verschiedene Fixationskennzahlen auszuwerten, werden mit Interessenbereichen (AOIs) bestimmte Bereiche einer Szene ausgewählt.


Zur Abgrenzung werden die AOIs um die zu vergleichenden Elemente herum in das Bild eingezeichnet.
- Anteil: die Anzahl der Teilnehmenden, die eine AOI fixiert haben
- Verweildauer (Dwell Time): wie lange eine AOI betrachtet wurde, also die Beobachtungsdauer
- Anzahl der Betrachtungen: wie oft ein Teilnehmender zu einer AOI zurückgekehrt ist
Heatmaps
Als Visualisierungswerkzeug zeigt eine Heatmap, wie Fixationen und Blickpunkte verteilt sind. Grüne, gelbe und rote Töne stellen die Dichte der Blickpunkte in bestimmten Teilen der AOI dar.


Eye-Tracking-Heatmaps folgen dem Prinzip: Je mehr Fixationen in einem Bereich stattfinden, desto röter wird er.
Focus Maps / Opacity Maps
Eine Opacity Map, auch Focus Map genannt, zeigt dieselben Informationen wie eine Heatmap, nur auf andere Weise.
Statt die Bereiche mit der meisten visuellen Aufmerksamkeit zu überdecken, hebt eine Focus bzw. Opacity Map sie deutlich hervor. Bereiche mit den wenigsten Fixationen werden dagegen abgedunkelt.
Maßeinheiten
Die Standardmaßeinheit im Eye-Tracking ist der Blickpunkt (Gaze Point):
1 Blickpunkt = 1 Rohdaten-Messwert des Eye-Trackings
Beispiel: 60 Hz Abtastrate = 60 einzelne Blickpunkte pro Sekunde (1 Blickpunkt alle 16,7 Millisekunden)
Ein Eye-Tracker für Verbraucher hat eine Abtastrate zwischen 30 und 60 Hz. Geräte für die Forschung erreichen etwa 120 bis 1000 Hz (manche sogar bis rund 2000 Hz).
Durchschnittliche Dauer und Häufigkeit von Augenbewegungen:
- Fixation
- Von 100 bis über 600 Millisekunden
- Übliche Dauer: 100–300 Millisekunden
- Typische Frequenz: etwa 3 Hz
- Sakkade
- Von 20 bis 120 Millisekunden
- Übliche Dauer: 20–40 Millisekunden
- Bis zu 600–700 Grad pro Sekunde
- Typische Frequenz: 4-mal pro Sekunde, also etwa 4 Hz
- Glatte Augenfolgebewegung: bis zu 30 Grad pro Sekunde
Hardware & Software: Werkzeuge für das Gaze-Tracking
Eye- und Gaze-Tracking brauchen ein Gerät, das die Informationen erfasst, und ein System, das sie verfolgt und verarbeitet, also Hardware und Software.
Was ist Eye-Tracking-Software?
Die Funktionen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter, doch beim herkömmlichen Eye-Tracking kommen in der Regel zwei Arten von Software zum Einsatz:
- Software zum Erfassen und Aufzeichnen von Daten
- Software zum Verarbeiten und Analysieren von Daten
Je nach Hersteller kann außerdem eigene Software nötig sein für:
- Verschiedene Arten von Eye-Trackern (z. B. Brillen oder bildschirmbasierte Geräte)
- Einen bestimmten Eye-Tracker
- Verschiedene Reize (z. B. statisch oder dynamisch)
Es gibt jedoch auch mehrere integrierte Softwarelösungen für Datenerfassung und Analyse.
Unabhängig von der gewählten Software sollten Sie auf einige wichtige Merkmale achten:
- Genauigkeit
- Kalibrierungsdauer
- Optimaler Abstand
- Latenz
- Abtastrate
- Tracking-Winkel
- Bewegungsspielraum des Kopfes
- Wiederherstellungszeit
Eye-Tracking ohne Brille: Wie funktioniert das 3D-Gaze-Tracking von Eyeware?
Die hochmoderne Eye-Tracking-Software von Eyeware nutzt Tiefenkameras, um die Mensch-Maschine-Interaktion in 3D zu erleichtern.
GazeSense annotiert relevante 3D-Objekte und liefert Daten in Echtzeit, auch für Studien mit mehreren Personen gleichzeitig. So entstehen Informationen über Aufmerksamkeit, Absicht, Interesse und Engagement.
Ohne Brillen oder andere tragbare Tracker funktioniert die preisgekrönte Software mit einer Vielzahl handelsüblicher und individueller Geräte mit Tiefensensorik. Ob Smartphones, Entwicklungskits, Laptops oder Gaming-Peripherie: GazeSense ist kompatibel mit Stereo-, Structured-Light- und ToF-Kameras sowie mit individuellen 3D-Sensoren.
Die 3D-Gaze-Tracking-Software findet in vielen Bereichen Anwendung, etwa in Automobil, Robotik, Verbrauchergeräten, Gaming, Einzelhandel und Werbung.
Wie GazeSense Ihre kommerziellen oder akademischen Projekte durch multimodale Mensch-Maschine-Interaktion voranbringt, erfahren Sie von unserem Customer Success Specialist.
Hardware: Was ist ein Eye-Tracker?
Grundsätzlich braucht herkömmliches 2D-Eye-Tracking ein Gerät, das die Aktivität misst: den Eye-Tracker.
Heute gibt es Eye-Tracker als stationäre (bildschirmbasierte) oder als mobile, tragbare Geräte (am Kopf getragen, etwa Brillen oder Virtual-Reality-Headsets).
Stationär: bildschirmbasierte Geräte
Wird die Augenaktivität aus der Distanz in einer kontrollierten Umgebung erfasst, kommen meist bildschirmbasierte Geräte zum Einsatz.
Die Testperson sitzt vor einem Monitor oder Laptop, unter oder neben dessen Bildschirm ein Panel oder eine separate Einheit montiert ist. Dann werden ihr multimediale Reize gezeigt, etwa Fotos, Websites, Videos oder Spiele, um Augenbewegungen auszulösen, aufzuzeichnen und zu analysieren.
Insgesamt liefern bildschirmbasierte Eye-Tracker Entwicklern und Forschenden Erkenntnisse zur visuellen Aufmerksamkeit, indem sie in einer statischen Testumgebung hochwertige Augendaten erfassen.
Mobil: Eye-Tracking-Brillen & VR-Headsets
Tragbare Eye-Tracker empfehlen sich für Verhaltensstudien in realen Szenarien. Sie erlauben Bewegungen über die „Headbox“ hinaus, auf die stationäre Eye-Tracker beschränkt sind.
Am Kopf getragene Eye-Tracker messen Augenbewegungen aus nächster Nähe. Mobile Tracker wie Brillen können unter bestimmten Testbedingungen jedoch instabil werden, etwa wenn Teilnehmende Sport treiben.
In VR-Anwendungen kann Eye-Tracking es der Testperson ermöglichen, Funktionen allein durch den Blick auf eine virtuelle Schaltfläche zu steuern.
VR-Headsets mit Gaze-Tracking eignen sich unter anderem für:
- Professionelle Schulungen in der Industrie
- Interaktive Unterhaltung
- Tests der visuellen Aufmerksamkeit im Einzelhandel und mehr.
Wenn Teilnehmende in einer natürlichen, dynamischen Umgebung reagieren sollen, sind tragbare Eye-Tracker also die beste Lösung.
Eye-Tracking vs. Head-Tracking
Der Unterschied zwischen Eye-Tracking und Head-Tracking ist einfach.
Beide erfassen Positionen und Bewegungen, doch Eye-Tracking verfolgt nur die Augen, Head-Tracking nur den Kopf.
Zusammen liefern beide Technologien noch wertvollere Daten und sorgen in Anwendungen wie Gaming für ein reichhaltiges Nutzererlebnis.
Forschung & Anwendungen: Wie funktioniert Eye-Tracking in der Praxis?
Technisch gesehen kann fast jedes Szenario mit visuellen Elementen von Eye- und Gaze-Tracking profitieren. Jetzt twittern
Bisher hat die Technologie enorme Fortschritte in Kognitionswissenschaft, Neuromarketing, KI, Arbeitssicherheit und vielen anderen Forschungs- und Geschäftsfeldern ermöglicht.
Einsatzbereiche: Wofür wird Eye-Tracking genutzt?
Wie vorhergesagt hat Eye-Tracking die Art, wie Menschen mit Geräten kommunizieren und umgekehrt, bereits revolutioniert.
Noch muss die Technologie aber weiterentwickelt werden, bis jedes gängige Verbrauchergerät damit ausgestattet ist. Bis dahin hilft sie Wissenschaftlern, Entwicklern und Werbetreibenden, einzigartige Einblicke in bewusstes und unbewusstes menschliches Verhalten zu gewinnen.
Forschung
Wie bereits erwähnt, leistet Eye-Tracking wichtige Beiträge zur qualitativen und quantitativen Forschung. In der Wissenschaft dient die Technologie als Werkzeug für:
- Studien zum visuellen Verhalten
- Bewertung von Aufmerksamkeitsmechanismen
- Messung der Reaktion auf visuelle Reize
- Einblicke in Lernmuster
- Vergleich von Gruppenverhalten
Automobil
Eye-Tracking spielt in der Automobilbranche eine wichtige Rolle für die Sicherheit. Die Technologie erkennt, ob der Fahrer müde oder abgelenkt ist, und hilft, Unfälle zu verhindern.
Mit 3D-Eye-Tracking wird der Fahrer überwacht und durch blickgestützte Interaktion unterstützt. Jetzt twittern
Integriert in intelligente Armaturenbretter werden Funktionen wie Augmented-Reality-HUDs und virtuelle Copiloten zu einem zentralen Teil des Fahrerlebnisses.
Psychologie
In der Psychologie ermöglicht Gaze-Tracking die Untersuchung kognitiver Prozesse, zum Beispiel Gedächtnis, Problemlösung, Sprache, Entscheidungsfindung, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Allgemeinen.
Die Neurowissenschaften nutzen Eye-Tracking zur Erforschung und Früherkennung von Krankheiten wie Parkinson, Schizophrenie, Alzheimer oder Autismus. So hat die Technologie Forschenden zum Beispiel geholfen, nachzuweisen, dass Erwachsene mit ASS komplexe Emotionen erkennen und verstehen.
Neuromarketing & Werbung
Da Eye-Tracking die Untersuchung der visuellen Aufmerksamkeit ermöglicht, ist es für Neuromarketer und Werbetreibende zu einem breit genutzten Werkzeug geworden.
Online wie offline hilft Gaze-Tracking zu bestimmen, wofür sich Kunden ganz natürlich am meisten interessieren und was sie völlig ignorieren.
Zudem nutzen Neuromarketer heute Eye-Tracking und Facial Coding, um Emotionen bei multimedialen Reizen zu messen.
Videospiele & Unterhaltung
Foveated Rendering, immersive Grafik und erweiterte Blicksteuerung sind hochmoderne Funktionen in der Gaming-Branche, die Eye-Tracking möglich macht.
Spieler können die Umgebung mit ihrem Blick erkunden und mit verschiedenen Elementen des Spiels interagieren, indem sie sie einfach ansehen.
Nach demselben Prinzip lassen sich schon seit einigen Jahren auch Fernseher steuern.
Barrierefreiheit
Mit Eye-Tracking können Menschen mit Behinderungen Computer und Mobilgeräte steuern und sogar digitale Kunst schaffen. Wer sich nicht bewegen oder sprechen kann, kann über Augenbewegungen mit Maschinen kommunizieren.
Die Technologie hat die Barrierefreiheit stark verbessert und ermöglicht Menschen mit Behinderungen, eine Vielzahl von Aufgaben am Computer zu erledigen.
Einzelhandel
Auch Fachleute im Einzelhandel können mit Eye-Tracking die Aufmerksamkeit am Regal analysieren. Gaze-Tracking liefert also Erkenntnisse über das Verhalten von Kunden und ihre Kaufentscheidungen. Jetzt twittern
So können Händler Displays, Ladengestaltung und Verpackungsdesign ebenso deutlich verbessern wie Ladenaufteilung und Warenplatzierung.
Welche Vor- und Nachteile hat Eye-Tracking?
Die Vorteile von Eye-Tracking sind zweifellos zahlreich.
Vorteile
- Fortschritte in Bereichen wie KI, Sozialwissenschaften und Gesundheitswesen
- Assistive Technologie für Menschen mit eingeschränkter Mobilität
- Verbesserungen von Benutzeroberfläche und Nutzererlebnis
- Unterstützung der Sicherheit in gefährlichen Arbeitsumgebungen
- Hochwertige Ergebnisse in der Marktforschung
- Bemerkenswerte Einblicke in Körper und Geist, in Kombination mit weiteren Biosensoren wie:
- FEA (Gesichtsausdrucksanalyse)
- EKG (Elektrokardiogramm)
- EEG (Elektroenzephalogramm)
- EDA (Elektrodermale Aktivität)
- EMG (Elektromyografie)
Da sich Eye-Tracking noch weiterentwickelt, bleiben zahlreiche Herausforderungen, die angegangen werden müssen.
Herausforderungen
- Der Hawthorne-Effekt: Eine Person verhält sich anders, weil sie weiß, dass sie beobachtet wird (z. B. bei einer Studie in einer Testumgebung)
- Interpretation (z. B. kann eine höhere oder niedrigere Anzahl von Fixationen je nach Kontext zu unterschiedlichen Schlüssen führen)
- Zusammenkneifen der Augen: Die Methode Pupil Center Corneal Reflection (PCCR) funktioniert nicht, wenn Teilnehmende die Augen zusammenkneifen
- Midas-Touch-Problem bei blickgesteuerten Oberflächen: Der Nutzer löst unbeabsichtigt eine unerwünschte Aktion aus
- Der Bedarf an einfacherer Kalibrierung bei herkömmlichem Eye-Tracking
Best Practices & Ethik
Eye-Tracking-Studien und -Experimente durchzuführen, will gelernt sein.
Einige der Abläufe und ethischen Aspekte, die Sie vorab berücksichtigen sollten:
- Informieren Sie alle Teilnehmenden über Zweck, Ablauf, mögliche Risiken (falls vorhanden) und Nutzen eines Experiments
- Stellen Sie sicher, dass alle Teilnehmenden ihre volle Einwilligung zur Teilnahme an der Studie geben
- Bereiten Sie eine geeignete Testumgebung vor: ausgewogenes Licht, keine Ablenkungen, richtig eingestellte Eye-Tracking-Ausrüstung
- Machen Sie die Teilnehmenden mit der Eye-Tracking-Ausrüstung und dem Ablauf vertraut
Lohnt es sich, Eye-Tracking zu erkunden?
Auf jeden Fall.
Seit seinen Anfängen hat Eye-Tracking den Weg für enorme Fortschritte in unzähligen Bereichen geebnet.
Die Gaze-Tracking-Branche rechnet in den nächsten Jahren mit stetigem Wachstum und hilft dabei:
- F&E-Ingenieuren, mit modernster Technologie praxistaugliche Lösungen zu finden
- Innovationsverantwortlichen, kreative, hochmoderne Lösungen umzusetzen
- Entwicklern, wirksamere Systeme für heutige und kommende Herausforderungen zu bauen
- Marketern, POCs zu erstellen und das Kundenerlebnis zu verbessern
- Professoren und Forschenden, Neuland zu betreten und den Weg für eine bessere Welt zu ebnen
- Neurowissenschaftlern, beispiellose Einblicke in schwere kognitive Störungen zu gewinnen
- Studierenden, an der Technologie der Zukunft mitzuwirken
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